Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
„Warum sind denn hier so viele Bäume?“ Die Frage eines ihrer Hortkinder verdutzte Christina Stumpf im ersten Moment, dann aber „hat mich das auch richtig erschreckt“. Es war ihr schon klar, dass viele ihrer Kinder, die sie und ihre Kolleginnen im Hort der Caritas-Kinderburg in Klettham betreuen, kaum Bezug zur Natur haben. Aber dass ein Grundschulkind nicht weiß, was ein Wald ist, weil es offensichtlich noch nie bewusst in einem Wald war, hatte Christina Stumpf dennoch nicht erwartet.
Diese kleine Episode, die sie in den Pfingstferien bei der ersten Ferienfahrt mit den Kinderburg-Hortkinder erlebte, bestätigte allerdings, wie sinnvoll und wichtig ein solcher mehrtägiger Ausflug ist. Es ist traurig, aber wahr: Natur und die Möglichkeit, sich in ihr aufzuhalten, gehört nicht zur Lebenswelt vieler Kinder in Erding, obwohl die Stadt beileibe kein zubetonierter Moloch ist, aus dem so schnell kein Weg herausführt. Es klingt arg nach Klischee und Stereotypen, aber so sei es nun einmal, sagt Christina Stumpf: Ein großer Teil ihrer Kinder, erst recht die vielen, die aus sozial schwachen Familien stammen, verbringen ihre Freizeit außerhalb von Schule und Hort meist nur innerhalb ihrer Wohnungen vor dem Fernseher und an Computerspielkonsolen. „Dass man auch mal einen Ausflug machen könnte, das sind die wenigsten gewöhnt.“
Die offensichtlichen Defizite an kindgerechter und sinnvoller Freizeitgestaltung mögen zwar in erster Linie die Eltern zu verantworten haben, räumt die Erzieherin ein: „Ich glaube, es ist vielen Eltern gar nicht bewusst, wie einfach es ist, mal mit den Kindern einen Ausflug zu machen.“ Doch weil die Realität eben ist wie sie ist, wollen Stumpf und ihre Kolleginnen diese Lücke wenigstens einmal im Jahr füllen.
Also fuhren sie heuer mit 22 Kindern im Alter zwischen sechs und zehn Jahren zum Zelten in die Nähe von Isen. Im kommenden Jahr soll es nach Burghausen, an die Salzach und den Wöhrsee gehen. Es ist nicht nur das freie Spiel an einem Kiesstrand oder im Wald, das für die Kinder zum Erlebnis wird. Die gemeinsame Fahrt stärke auch das Selbstbewusstsein und die Selbständigkeit ihrer Schützlinge sowie den Zusammenhalt in der Gruppe, sagt Stumpf. Da jedoch in nicht wenigen Familien der Kinder das Geld schon zum täglichen Leben kaum ausreicht, braucht es für die Finanzierung der Ferienfahrt auch im kommenden Jahr Unterstützung durch Spenden. Mehr als 50 Euro sollte der Eigenbeitrag für Eltern mit geringem oder gar keinem Erwerbseinkommen nicht kosten. Es soll nicht am Geld scheitern. Der SZ-Adventskalender für gute Werke will das unterstützen und benachteiligten Kinder einige, für sie außerordentliche Tage ermöglichen.
(SZ vom 16.12.11)