Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
Wenn ihre Freunde auf die Idee kommen, in ein Lokal essen zu gehen, schlägt Daba vor, lieber zu Hause zu kochen. Dass sie nicht genug Geld hat, um ein Restaurant zu besuchen, verschweigt sie – und sie denkt lieber nicht darüber nach, ob sich manche nicht längst ihren Reim darauf gemacht haben.
Nach vier Jahren in einem fremden Land scheint Daba Kutase (Name geändert) angekommen zu sein in München, eine hochgewachsene 22-Jährige in Stiefeln, die sich über den plötzlichen Wintereinbruch amüsiert und die Mütze ins Gesicht zieht.
Aber ihre Existenz ist doch eine Art Doppelleben: Auf der einen Seite das hübsche Mädchen aus Afrika, das sehr schnell sehr gut Deutsch gelernt hat, bei einem großen Münchner Fahrzeugbauer eine Lehre als Kfz-Mechatronikerin macht, nebenher eine Oberschule besucht, um sicherheitshalber das Fachabitur in der Tasche zu haben – vielleicht will sie ja mal studieren. Andererseits die Geschichte ihrer Flucht als 17-Jährige aus Gambia, die Gewalterfahrungen, Traumata. Das alles zog an ihr wie ein Gewicht und machte ihr das Leben schwer, erst recht den Neuanfang in einer fremden Welt. Erst vor wenigen Monaten hat sie ihre Therapie abgeschlossen, und bisher kommt sie zurecht, ohne regelmäßig ihre Sorgen und Ängste loszuwerden bei jemandem, vor dem sie keine Geheimnisse zu haben braucht.
Dass sie Gleichaltrige, deren Unbeschwertheit und kleine Alltagsprobleme mit anderen Augen sieht, ist kein Wunder. „Ich komme mir manchmal viel älter vor als sie“, sagt Daba. Ihre kleine Wohnung ist spärlich möbliert, sie würde sich gerne ein Bett kaufen anstelle des durchgelegenen Schlafsofas. Ihre Stiefel sind aus dünnem Kunstleder, auch für eine warme Jacke reichen die 300 Euro nicht, die ihr im Monat zum Leben bleiben. Dabas großer Wunsch ist der Führerschein, um sich unabhängig zu fühlen und gleichberechtigt in ihrem neuen Zuhause. Wobei Zuhause ein schwieriges Wort ist. „Deutschland hat mich aufgenommen, dafür bin ich unendlich dankbar“, sagt sie. „Aber meine Heimat wird immer mein Land bleiben, das wird sich nie ändern.“ Irgendwann, sagt sie, möchte sie es wiedersehen.
(SZ vom 31.12.11)