Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
Mehr als sechs Stunden stand sie ohne Unterbrechung im Operationssaal. Wahrscheinlich hat sie gerade einmal wieder das Leben einer krebskranken Frau gerettet. Leicht erschöpft wirkt Cornelia Höß, aber der Energie der zierlichen Frau tut das keinen Abbruch. Denn genauso, wie sie als Medizinerin um jede einzelne Patientin kämpft, engagiert sie sich als Mensch dafür, dass das Leben für die Frauen mit und nach der Erkrankung weitergeht.
Deshalb steht die 54-Jährige, die vor zwei Jahren von Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch zur Professorin ernannt worden ist, nur eine Stunde später freudestrahlend im Klinikfoyer. Sie hatte zur Vernissage und Versteigerung von Kunstwerken eingeladen, die zu Herzen gehen. Gefertigt wurden die Bilder von Patientinnen und deren Kindern im Rahmen der Kunsttherapie, die Cornelia Höß nur ein Jahr nach ihrem Eintritt in die Klinik ins Leben gerufen hat. Das Ebersberger Projekt ist bislang einzigartig geblieben – wohl auch, weil es viel Geld verschlingt.
Die Bilder, allesamt berührende Beispiele dafür, welche Schatten die Diagnose Krebs auf eine Familie werfen kann, kommen schließlich für 1900 Euro unter den Hammer. Eine Summe, über die sich Cornelia Höß freut. Dennoch reicht es nicht, um die Kunsttherapie weiter aufrecht zu erhalten. Denn auch, wenn die Ärztin weiß, wie gut das Malen den betroffenen Frauen und Kindern tut, steht es nicht im Leistungskatalog der Krankenkassen.
„Vielleicht ist das ja ein bisschen Luxus“, sagt Cornelia Höß. Aber sie müsse sich in erster Linie um die fachlichen Dinge kümmern. Da sei es gut, wenn jemand von außen komme, der nichts mit Medizin zu tun hat. Das sind die beiden Kunsttherapeutinnen Gaby Müller und Jutta Seyfried. Dreimal pro Woche besuchen sie die Frauen am Krankenbett, um sie mit Pinsel und Farbe in Berührung zu bringen und ihnen dadurch Zugang zu ihren Gefühlen zu verschaffen.
„Den Patientinnen fällt es oft sehr schwer, über ihre Krankheit zu sprechen“, sagt auch Psychoonkologin Cornelia Caspari, die die Patientinnen umgehend nach der Diagnose Krebs betreut. Vieles, was die Frauen nicht in Worte fassen könnten, lasse sich aber über Farben auf einer Leinwand ausdrücken. „Es geht nicht um Leistung, sondern um Gefühl“, sagt Cornelia Caspari und ihre Chefin ergänzt, unter welchem Druck die Patientinnen stünden, wenn ihnen eröffnet werde, dass sie an Krebs erkrankt sind. Weil sie aber meist nach einer Operation nicht länger als eine Woche im Krankenhaus verweilen müssten, bleibe kaum Zeit, um sich mit der Diagnose auseinanderzusetzen. Stattdessen wollten sie zu Hause funktionieren – für die Kinder wie für den Partner. Deshalb ist die Kunsttherapie auch Bestandteil der ambulanten Weiterbehandlung.
Vier bis fünfmal im Jahr laden Gaby Müller und Jutta Seyfried zudem die Kinder der Patientinnen zu einem Mal-Workshop ein. Unter dem Titel „Ich schenk dir einen Traum“ können sie all das auf Leinwand bannen, was sie nicht über die Lippen bringen: Ein breites Spektrum von dunklen Pinselschwüngen bis zu hoffnungsvoll hellen Motiven. Mit dem Erlös der Versteigerung in der Klinik kann ein Teil der Materialkosten bezahlt werden. Für alle anderen Kosten und auch das Honorar der Kunsttherapeutinnen muss Professorin Höß Klinken putzen. Zu fein ist sie sich dafür nicht, doch die Sorge, das Projekt nicht mehr bezahlen zu können, begleitet sie. „Einer unserer großen Sponsoren der vergangenen Jahre hat sich auf meine diesjährige Anfrage nicht mehr gemeldet“, erzählt sie. Gut 15.000 Euro im Jahr kostet die Kunsttherapie für Mütter und Kinder, aber es hilft, die Seele zu heilen. „Natürlich kann ich auch ein bisschen nett zu den Frauen sein“, sagt Cornelia Höß bescheiden. „Aber Malen befreit, weil die Frauen wieder aktiv etwas getan haben, obwohl sie sich nach dem Schock der Diagnose wie gelähmt fühlen.“
(SZ vom 17.12.11)